Dienstag, 13. März 2012

Karen Salmansohn – How to Succeed in Business without a Penis

Secrets and Strategies for the Working Woman
Harmony Books/1996

Es gibt Bücher, die sollte man im Original lesen. Nicht weil man dem Übersetzer mangelhafte Fähigkeiten vorwerfen wollte, sondern einzig und allein, weil die Autorin so virtuos mit der Sprache umgeht, Bilder erzeugt und mit rhetorischen Figuren jongliert, dass diese unmöglich adäquat in eine Fremdsprache übersetzt werden können. „How to Succeed in Business without a Penis“ ist so ein Buch. 

Wie es der Untertitel schon sagt, geht es darum, wie man sich als Frau in der Berufs- und Geschäftswelt behauptet. Tatsächlich bekommt die Leserin eine Menge (ziemlich wild zusammengewürfelter) Tipps, die allerdings weder neu noch besonders originell sind und grundsätzlich in wenigen Worten zusammengefasst werden können: sich auf seine weiblichen Stärken besinnen – die Fähigkeit zuzuhören, zu kommunizieren, sich schön zu „verpacken“ – und gleichzeitig seine weiblichen Schwächen ausmerzen – die (falsche) Bescheidenheit, den Hang zur Selbsterniedrigung, die Tendenz, eher zurück- als nach vorne zu schauen.

Soweit also ein ganz gewöhnliches Selbsthilfebuch, das keinesfalls so wichtig ist, dass wir ohne es nicht beruflich weiterkommen könnten. Wie jedoch die Autorin diese nicht so wichtigen Informationen an die Frau bringt, ist grosse Unterhaltung. Es gibt kaum eine Seite, auf der sie nicht mindestens einmal die Sprache so verbiegt, dass wir entweder laut herauslachen müssen oder zumindest ins Staunen kommen, was mit Buchstabenverdrehern, Montagetechniken und Anspielungen, um nur einige der rhetorischen Stilmittel ihres Repertoires zu nennen, überhaupt alles möglich ist: „Women are worriers. Men are warriors.”; “Many men are intimidated by women who have made it instead of mated.”; “Many girls don’t have upbringings but ‘downbringings’.”

Da wundert es einen auch nicht zu erfahren, dass Salmansohn früher in der Werbebranche arbeitete – und übrigens ihre dortige erfolgreiche Karriere aufgegeben hat, um zu schreiben, was sie, der Anzahl ihrer veröffentlichten Bücher (29) und der hohen Verkaufszahlen (Milliionen) nach zu urteilen, ebenfalls erfolgreich tut. In den meisten ihrer Bücher geht es um frauenspezifische Themen, was aber nicht heisst, dass sie nicht auch von Männern gelesen werden, und sei es nur, um die „Konkurrenz“ zu studieren. (Dies soll besonders auf ihr Buch „How to make your man behave in 21 days or less using the secrets of professional dog trainers” zugetroffen haben.)

Tatsächlich ist es jedoch manchmal fast zuviel des Guten, was uns da geboten wird. Es kommt der Punkt, wo diese ewige Lustigkeit ermüdend wirkt und man gerne – wie zu einem überdrehten Kind – sagen möchte: „Ist gut, Karen, wir wissen jetzt, was du alles drauf hast. Werde jetzt wieder normal.“ Dabei sagt sie es an einer Stelle selbst, und zwar im Kapitel „Believing in a Laughter Life“ (!): „Humor might be good medicine, but REMEMBER … there are warnings on most medicine bottle labels.“ Man soll also mit Humor nicht übertreiben – vor allem auch, weil man sonst irgendwann nicht mehr ernst genommen wird.

Wo sie sich ebenfalls weit vorwagt, ist mit Äusserungen, die, obwohl sprachlich hervorragend in ihrer Originalität, sich scharf an der Schwelle zum Ordinären bewegen, wie “Too many women are being screwed at the office and not at home.” Man wird den Verdacht nicht los, dass der Autorin hier ihr früheres Leben in die Quere kommt, in dem sie gelernt hat, dass man, wenn man etwas verkaufen will, nicht nur um jeden Preis auffallen sondern auch ein paar weitere wichtige Regeln beherzigen muss wie „Sex sells“.

Das Buch bringt einen nicht nur zum Lachen, sondern birgt auch anderweitig viel Wohlfühlpotential, denn es zeigt uns, wie viel möglich wäre, wenn wir wollten (d.h. wenn wir den inneren Schweinehund besiegen könnten), zwingt uns aber zum Glück nicht dazu, tatsächlich etwas in dieser Richtung zu unternehmen, sondern lässt es bei der Unterhaltung bleiben. Somit ist es auch ein gutes Beispiel dafür, wie man als Autorin aus wenig (Inhalt) viel (Geld) machen kann und zeigt ausserdem sehr schön, dass eben Selbsthilfebücher vor allem einer Person helfen, nämlich der Autorin.

Wer auf die Original-Rhetorik verzichten will oder muss, kann sich die deutsche Ausgabe unter dem Titel „Erfolgreich ohne Penis. Strategien und Geheimnisse für Karrierefrauen“ beschaffen, die von Hildegard Cisar und Michael Troy übersetzt worden und 1997 beim Signum-Verlag erschienen ist.