A 4-Step Program to Take Charge of
Your Emotions Today
Experience the Power of
Nutritional Therapy
Deutsch:
Was die Seele essen will; Die Mood Cure (Übersetzung Julia Höfer, Swantje
Künckeler)
Und plötzlich ist alles klar: Warum manche Menschen
nicht anders können als ständig auszuflippen. Warum andere nicht von den Drogen
loskommen. Warum viele zu Süssigkeiten, Kaffee und Alkohol Zuflucht nehmen.
Wenn Julia Ross Recht hat, gibt es sogar eine Erklärung dafür, warum Veganer
oft übersensible Menschen mit schwachen Nerven sind.
Julia Ross gilt als Pionierin in der
ernährungsbasierten Behandlung von Essstörungen (siehe auch ihr erstes Buch
„The Diet Cure“), Sucht- und psychischen Problemen und führt in Kalifornien
eine eigene Klinik, wo ebensolche Krankheiten behandelt werden. Mit viel
Sachverstand erklärt sie nicht nur die biochemischen Körpervorgänge, die unsere
Stimmungen beeinflussen, sondern bietet auch Lösungen an für alle, die unter
Depressionen, Stress, Suchtproblemen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und anderen
psychischen Störungen leiden. Doch der Titel des Buches, zumindest in der
deutschen Übersetzung, verspricht mehr, als er halten kann. Zwar widmet die
Autorin tatsächlich ein kleines Kapitel der Ernährung, doch hauptsächlich geht
es um die Behandlung der verschiedenen Gemütskrankheiten mit
Nahrungsergänzungsmitteln. Für jedes Stimmungsproblem hat Ross ein ganzes
Programm parat, das nebst hochdosierten Vitaminen und Mineralstoffen
verschiedene Aminosäuren wie GABA (gamma-amino-butyric-acid) oder Phenylalalin
vorsieht. Da jedoch psychische Störungen in der Regel bei jedem Menschen in
unterschiedlicher Kombination und Schweregrad vorkommen, müssen diese
Ergänzungsstoffe exakt richtig zusammengesetzt, dosiert und zum richtigen Zeitpunkt eingenommen
werden, um einen Nutzen zu bringen. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Laie dies
ohne Beizug einer Fachperson schafft.
Ein weiterer Punkt, der dieses Buch als
Selbsthilfeanleitung, als die es angepriesen wird, wertlos macht, ist, dass einige
der empfohlenen Substanzen, wie z.B. Tryptophan (eine Vorstufe des
stimmungsaufhellenden Serotonins) in der Schweiz rezeptpflichtig sind. Darüber,
ob diese Zusatzstoffe natürlich sind, wie Ross behauptet, kann man sich ebenfalls
streiten. Zwar werden sie vom Körper aus der zugeführten Nahrung selbst
hergestellt, doch deswegen anzunehmen, es komme auf dasselbe heraus, wenn man
sie in reiner Form von aussen zuführe, ist gewagt. Einen grossen Vorteil
gegenüber den konventionellen Psychopharmaka bieten diese Aminosäuren aber allemal:
Es treten bei korrekter Anwendung wenigstens keine Nebenwirkungen auf.
Wer gegen die Einnahme jeglicher „künstlicher“ Mittel
ist, kann es auch mit konsequenter Ernährungsumstellung versuchen. Doch auch
hier gibt es Zweifel und Widersprüche. Ross betont die Wichtigkeit von
regelmässigen Mahlzeiten und die Schädlichkeit von raffinierten Nahrungsmitteln
wie Zucker und weissem Mehl, was allgemein anerkannt ist. Sie empfiehlt aber
auch, mit jeder Mahlzeit eine Mindestmenge an tierischem Eiweiss und „guter“,
also meist gesättigter (und damit wiederum tierischer) Fette zu sich zu nehmen,
rät von Pflanzenölen (ausser dem „heiligen“ Olivenöl) und bestimmten anderen
pflanzlichen Produkten wie Soja ab. Bei dieser Propaganda für eine tierische
Ernährung (ist Ross etwa von der mächtigen amerikanischen
Nahrungsmittelindustrie gekauft?) erwähnt sie leider mit keinem Wort weder die
ökologischen Probleme, die durch übermässigen Fleisch- und Fischverzehr
herbeigeführt werden, noch die erstaunlichen Ergebnisse der wohl umfassendsten
Studie, die im Bereich Ernährung je durchgeführt wurde, nämlich der
„China-Studie“. Diese ist zum Schluss gekommen, dass das Vorkommen von
Zivilisationskrankheiten auf der ganzen Welt proportional zum Anteil an
tierischen Produkten in der Ernährung steigt, dass also eine vorwiegend
pflanzliche Ernährung in gesundheitlicher Hinsicht auf jeden Fall besser ist.
Je nachdem, wie sehr jemand unter seinen extremen
Stimmungen leidet, ist es bestimmt sinnvoll, etwas dagegen zu unternehmen.
Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob es wirklich nötig ist, jede
Abweichung von der Norm so rigoros zu bekämpfen. Traurigkeit (Depression)
gehört zum Leben genauso wie Überdrehtheit (Stress), Reizbarkeit genauso wie
Erschöpfung. Leider kann auch auf diesem Gebiet, wie in vielen anderen
Bereichen, eine Tendenz zu Gleichschaltung der Menschheit und Ausmerzung von
abweichenden Charaktermerkmalen beobachtet werden.
„The Mood Cure“ ist ein Buch, das, obwohl es
interessante Zusammenhänge für Laien verständlich aufzeigt und Hoffnung auf die
Wiederherstellung psychischer Ausgeglichenheit macht, wegen des teilweise umstrittenen
Inhalts und der Komplexität der vorgeschlagenen Selbstmedikation nur auf Rezept
erhältlich sein sollte.
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