Dienstag, 3. Juli 2012

T.C. Boyle – The Tortilla Curtain


The Tortilla Curtain (Originaltitel: América) von T.C. Boyle, 1995 bei Viking, New York, erschienen, ist eine interessante Geschichte. Nicht nur weil sie ein brisantes Thema - illegale Einwanderung - brilliant aufarbeitet. Auch nicht, weil der Autor so virtuos mit Sprache umzugehen weiss. Und auch nicht, weil er es schafft, mit wenigen Kunstgriffen von der ersten bis zur letzten Seite eine unerträgliche Spannung aufrechtzuerhalten. Da ist noch mehr.

Die Geschichte spielt im südlichen Kalifornien und handelt grob gesagt von zwei Paaren, die erst mal nichts miteinander zu tun haben. Auf der einen Seite Delaney und Kyra, ein mittelständisches amerikanisches Ehepaar, er Kolumnenschreiber und Hausmann, sie erfolgreiche Immobilienmaklerin, die mit Kyras Sohn aus erster Ehe in einer reichen Siedlung ausserhalb von Los Angeles wohnen. Auf der anderen Seite Cándido und América, zwei mexikanische Einwanderer auf Arbeitssuche in Erwartung ihres ersten Kindes, die in der Nähe einer vielbefahrenen Strasse in einem Canyon leben. Im Freien. Die beiden Welten berühren sich, als Cándido an selbiger Strasse von Delaney in dessem schicken Auto angefahren und verletzt wird. In abwechselnden Erzählsträngen erzählt der Autor vom Kampf  ums Überleben des illegalen Einwandererpaares – von Vergewaltigung, Ausgeraubtwerden, unmenschlichen Arbeitsbedingungen und dem Kampf des privilegierten Mittelklassepaares und ihresgleichen, mit Zäunen, Mauern, Überwachungskameras, gegen jene, die ihnen ihren Wohlstand streitig machen wollen.

T(om) C(oraghessan) Boyle, 1948 im Staate New York geboren, lebt heute in der Nähe von Santa Barbara. Er besitzt einen B.A. in Englisch und Geschichte der State University of New York sowie einen Doktortitel in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts der University von Iowa, wo er auch einen Writers Workshop unter der Leitung von John Irving besuchte. Er hat bis heute über zwanzig Bücher veröffentlicht, beinahe die Hälfte davon Kurzgeschichtensammlungen. Viele davon sind auch in grossen amerikanischen Zeitschriften erschienen. Er hat einige Preise gewonnen, unter anderem für The Tortilla Curtain 1997 den Prix Médicis Étranger für den besten fremdsprachigen Roman.

Das wirklich Interessante an der Geschichte ist das Ende. Dieses ist überaus dramatisch, fast schon weltuntergangsmässig. Wie viele andere amerikanische Autoren scheint Boyle eine Vorliebe für grossen Showdown zu haben. Angesichts der Tatsache, dass Amerika zur Zeit das mächtigste Land der Erde ist, ist das keine sehr beruhigende Feststellung.

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