The Tortilla Curtain (Originaltitel: América)
von T.C. Boyle, 1995 bei Viking, New York, erschienen, ist eine interessante
Geschichte. Nicht nur weil sie ein brisantes Thema - illegale Einwanderung -
brilliant aufarbeitet. Auch nicht, weil der Autor so virtuos mit Sprache
umzugehen weiss. Und auch nicht, weil er es schafft, mit wenigen Kunstgriffen
von der ersten bis zur letzten Seite eine unerträgliche Spannung
aufrechtzuerhalten. Da ist noch mehr.
Die Geschichte spielt im südlichen Kalifornien
und handelt grob gesagt von zwei Paaren, die erst mal nichts miteinander zu tun
haben. Auf der einen Seite Delaney und Kyra, ein mittelständisches
amerikanisches Ehepaar, er Kolumnenschreiber und Hausmann, sie erfolgreiche
Immobilienmaklerin, die mit Kyras Sohn aus erster Ehe in einer reichen Siedlung
ausserhalb von Los Angeles wohnen. Auf der anderen Seite Cándido und América,
zwei mexikanische Einwanderer auf Arbeitssuche in Erwartung ihres ersten
Kindes, die in der Nähe einer vielbefahrenen Strasse in einem Canyon leben. Im
Freien. Die beiden Welten berühren sich, als Cándido an selbiger Strasse von
Delaney in dessem schicken Auto angefahren und verletzt wird. In abwechselnden
Erzählsträngen erzählt der Autor vom Kampf
ums Überleben des illegalen Einwandererpaares – von Vergewaltigung,
Ausgeraubtwerden, unmenschlichen Arbeitsbedingungen – und dem Kampf des
privilegierten Mittelklassepaares und ihresgleichen, mit Zäunen, Mauern,
Überwachungskameras, gegen jene, die ihnen ihren Wohlstand streitig machen
wollen.
T(om) C(oraghessan) Boyle, 1948 im Staate New
York geboren, lebt heute in der Nähe von Santa Barbara. Er besitzt einen B.A.
in Englisch und Geschichte der State University of New York sowie einen
Doktortitel in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts der University von
Iowa, wo er auch einen Writers Workshop unter der Leitung von John Irving
besuchte. Er hat bis heute über zwanzig Bücher veröffentlicht, beinahe die
Hälfte davon Kurzgeschichtensammlungen. Viele davon sind auch in grossen
amerikanischen Zeitschriften erschienen. Er hat einige Preise gewonnen, unter
anderem für The Tortilla Curtain 1997 den Prix Médicis Étranger für den besten
fremdsprachigen Roman.
Das wirklich Interessante an der Geschichte
ist das Ende. Dieses ist überaus dramatisch, fast schon weltuntergangsmässig.
Wie viele andere amerikanische Autoren scheint Boyle eine Vorliebe für grossen
Showdown zu haben. Angesichts der Tatsache, dass Amerika zur Zeit das
mächtigste Land der Erde ist, ist das keine sehr beruhigende Feststellung.
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