Üppig. So könnte man dieses Buch am ehesten beschreiben. Die Geschichte
spielt in Mexiko im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Tita, die jüngste von
drei Töchtern einer verwitweten Grundbesitzerin, soll gemäss Tradition ihre
Mutter bis zu deren Tod betreuen und darf deshalb nicht heiraten. Ihre Liebe zu
Pedro, der, um ihr trotzdem nahe zu sein, ihre Schwester heiratet, aber auch
ihr damit verbundener Frust, drückt sie in der Küche aus. Als Köchin der
Familie kreiert sie die wunderbarsten Gerichte, die noch dazu bei den Essern
die gleichen Gefühle auslösen, die sie beim Kochen empfunden hat.
Ähnlich wie bei Simmels „Es muss nicht immer Kaviar sein“ werden auch hier
die Rezepte mitgeliefert. Und überhaupt geht es im Buch, was bei diesem Plot
nicht sehr überraschend ist, vor allem ums Essen, und zwar um gutes Essen. Es
ist deshalb dringend davon abzuraten, es während einer Fastenkur oder Diät zu
lesen, denn wenn Sie nicht gerade ein kulinarischer Banause oder Asket sind (in
diesem Fall wird Ihnen aber das Buch von Anfang an nicht zusagen), wird Ihnen auf
jeder Seite das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ja man möchte die Gerichte auf
der Stelle nachkochen – mal abgesehen davon, dass in unseren Breitengraden und
unserem Zeitalter nicht alle angegebenen Zutaten leicht zu finden sein dürften.
Wo zum Beispiel bekommt man eine Pitahaya, eine Kakteenfrucht her, oder zwei
Pfund Maracaibakakao?
Die Rezepte, und somit die Kapitel, sind fortlaufend nach Monaten
geordnet. Das stört ein bisschen, weil sie sich nicht mit dem Zeitablauf der
Geschichte decken. Dies ist aber auch schon das Einzige, was man der Autorin,
Laura Esquivel, vorwerfen kann. Mit einer bildhaften Sprache in der Tradition
des magischen Realismus gelingt es ihr, den Leser von der ersten bis zur
letzten Zeile bei der Stange zu halten. „Como agua para chocolate“ war ihr
erster Roman und erschien 1989. Inzwischen wurde er schon in etwa 30 Sprachen
übersetzt. Das Drehbuch zum gleichnamigen Film, der von Alfonso Arau gedreht
wurde, schrieb sie selbst. Die deutsche Übersetzung trägt den Titel
„Bittersüsse Schokolade“.
Ich habe das Buch als Reclam-Ausgabe gekauft. Dieser Verlag ist Ihnen,
wenn Sie im deutschen zur Schule gegangen sind, wohl noch aus dem
Deutschunterricht bzw. der Literaturgeschichte ein Begriff. Er bietet – in
kleinem handlichem Format mit gelben Umschlägen – die Klassiker der deutschen
Literatur zu günstigen Preisen. Inzwischen vertreibt er jedoch auch Bestseller
aus aller Welt, zum Teil sogar im Original. Dies ist vor allem für jene Leserinnen
praktisch, die nicht gerne Übersetzungen lesen. Und man muss die fremde Sprache
dabei nicht einmal perfekt beherrschen, denn Wörter, die nicht im
Grundwortschatz enthalten sind, werden übersetzt.
So auch hier. Um eine kleine Kritik kommen wir jedoch nicht herum, denn
Original hin oder her, es finden sich in dieser Ausgabe zahlreiche, zwar
kleine, Fehler, die auf ein fehlendes oder mangelhaftes Lektorat schliessen
lassen: falsche Artikel, falsche Endungen usw. Dies ist vor allem deshalb
bedenklich, weil diese Reihe (übrigens mit rotem Umschlag) offensichtlich vor
allem Sprachlernende ansprechen will. Wer schon mal eine Fremdsprache gelernt
hat und mit beispielsweise widersprüchlichen Schreibweisen eines Wortes
konfrontiert worden ist, weiss, wie verwirrend dies sein kann. Ich würde
deshalb empfehlen, falls das Buch in der Originalsprache erworben werden soll,
es von einem anderen Verlag zu beziehen, z.B. von debolsillo. Erhältlich ist es u.a. bei Amazon.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen