Freitag, 3. Mai 2013

Como agua para chocolate



Üppig. So könnte man dieses Buch am ehesten beschreiben. Die Geschichte spielt in Mexiko im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Tita, die jüngste von drei Töchtern einer verwitweten Grundbesitzerin, soll gemäss Tradition ihre Mutter bis zu deren Tod betreuen und darf deshalb nicht heiraten. Ihre Liebe zu Pedro, der, um ihr trotzdem nahe zu sein, ihre Schwester heiratet, aber auch ihr damit verbundener Frust, drückt sie in der Küche aus. Als Köchin der Familie kreiert sie die wunderbarsten Gerichte, die noch dazu bei den Essern die gleichen Gefühle auslösen, die sie beim Kochen empfunden hat. 

Ähnlich wie bei Simmels „Es muss nicht immer Kaviar sein“ werden auch hier die Rezepte mitgeliefert. Und überhaupt geht es im Buch, was bei diesem Plot nicht sehr überraschend ist, vor allem ums Essen, und zwar um gutes Essen. Es ist deshalb dringend davon abzuraten, es während einer Fastenkur oder Diät zu lesen, denn wenn Sie nicht gerade ein kulinarischer Banause oder Asket sind (in diesem Fall wird Ihnen aber das Buch von Anfang an nicht zusagen), wird Ihnen auf jeder Seite das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ja man möchte die Gerichte auf der Stelle nachkochen – mal abgesehen davon, dass in unseren Breitengraden und unserem Zeitalter nicht alle angegebenen Zutaten leicht zu finden sein dürften. Wo zum Beispiel bekommt man eine Pitahaya, eine Kakteenfrucht her, oder zwei Pfund Maracaibakakao?

Die Rezepte, und somit die Kapitel, sind fortlaufend nach Monaten geordnet. Das stört ein bisschen, weil sie sich nicht mit dem Zeitablauf der Geschichte decken. Dies ist aber auch schon das Einzige, was man der Autorin, Laura Esquivel, vorwerfen kann. Mit einer bildhaften Sprache in der Tradition des magischen Realismus gelingt es ihr, den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile bei der Stange zu halten. „Como agua para chocolate“ war ihr erster Roman und erschien 1989. Inzwischen wurde er schon in etwa 30 Sprachen übersetzt. Das Drehbuch zum gleichnamigen Film, der von Alfonso Arau gedreht wurde, schrieb sie selbst. Die deutsche Übersetzung trägt den Titel „Bittersüsse Schokolade“.

Ich habe das Buch als Reclam-Ausgabe gekauft. Dieser Verlag ist Ihnen, wenn Sie im deutschen zur Schule gegangen sind, wohl noch aus dem Deutschunterricht bzw. der Literaturgeschichte ein Begriff. Er bietet – in kleinem handlichem Format mit gelben Umschlägen – die Klassiker der deutschen Literatur zu günstigen Preisen. Inzwischen vertreibt er jedoch auch Bestseller aus aller Welt, zum Teil sogar im Original. Dies ist vor allem für jene Leserinnen praktisch, die nicht gerne Übersetzungen lesen. Und man muss die fremde Sprache dabei nicht einmal perfekt beherrschen, denn Wörter, die nicht im Grundwortschatz enthalten sind, werden übersetzt.

So auch hier. Um eine kleine Kritik kommen wir jedoch nicht herum, denn Original hin oder her, es finden sich in dieser Ausgabe zahlreiche, zwar kleine, Fehler, die auf ein fehlendes oder mangelhaftes Lektorat schliessen lassen: falsche Artikel, falsche Endungen usw. Dies ist vor allem deshalb bedenklich, weil diese Reihe (übrigens mit rotem Umschlag) offensichtlich vor allem Sprachlernende ansprechen will. Wer schon mal eine Fremdsprache gelernt hat und mit beispielsweise widersprüchlichen Schreibweisen eines Wortes konfrontiert worden ist, weiss, wie verwirrend dies sein kann. Ich würde deshalb empfehlen, falls das Buch in der Originalsprache erworben werden soll, es von einem anderen Verlag zu beziehen, z.B. von debolsillo. Erhältlich ist es u.a. bei Amazon.

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