Am Sonntagabend um 20:00 Uhr sendet das Schweizer Fernsehen SF1 jeweils
einen Schweizer Spielfilm (ausser wenn es mal keinen sendet, was durchaus
vorkommt). Man sollte sich diese Zeit als festen Termin reservieren, denn,
vielleicht entgegen ihrem Ruf, ist die Schweizer Filmszene lebendig und bringt
immer wieder absolut sehenswerte Streifen hervor. „Nebelgrind“, der am
15.04.2012 lief, ist so einer.
Auf einem etwas abseits gelegenen Bauernhof lebt eine Drei-Generationen-Familie
friedlich vor sich hin. Karli, der Grossvater, ist jedoch an Alzheimer
erkrankt, was vorerst nur Fränzi, der Schwiegertochter auffällt, da sie es ist,
die jede Nacht von ihm gerufen wird, um das Radio einzuschalten und an seinem
Bett zu sitzen, bis er wieder eingeschlafen ist, die ihn wäscht und anzieht,
kurzum, ihn betreut. Ihr Mann kann den Ernst der Lage nicht erkennen und ist
der Meinung, die Unzulänglichkeiten seines Vaters seien normale
Alterserscheinungen und „das bisschen Pflege“ müsse doch drin liegen. Schliesslich
kommt es zum Eklat, als Karli Fränzi für Stunden im Speicher einschliesst. Sie
verlässt den Hof mit der Ankündigung, in zwei Wochen wieder zurück zu sein. Ihr
Mann ist zunächst hoffnungslos überfordert, erkennt jedoch immer mehr, was mit
seinem Vater wirklich los ist.
Alzheimer ist eine Demenzerkrankung, die durch einen fortlaufenden
Verfall von Nerven- und Nervenkontaktzellen gekennzeichnet ist, was zu
Orientierungs- und Gedächtnisstörungen sowie einer zunehmenden Beeinträchtigung
des Denk- und Urteilsvermögens mitsamt den damit verbundenen körperlichen
Problemen (z.B. Feinmotorik) führt. In den westlichen Industrienationen sind
statistisch gesehen rund 2 % der 65-Jährigen und rund 20 % der 85-Jährigen
davon betroffen.
Das Drehbuch zu „Nebelgrind“ (was für ein bezeichnender Titel!) wurde von
den beiden Autorinnen Josy Meier und Eveline Stähelin verfasst, die zuletzt
zusammen jenes zu „Heldin der Lüfte“ geschrieben hatten. Peter Freiburghaus,
der sehr überzeugend den Grossvater spielt, ist sonst von seinen
Bühnenauftritten mit dem Duo Fischbach bekannt. Sein Sohn wird von Martin
Rapold dargestellt, der schon bei früheren Gelegenheiten einen Bauern spielte
(„Lücken im Gesetz“ und „Oeschenen“).
Die Regisseurin Barbara Kulcsar, Jahrgang 1971, hat vor zwei Jahren für
ihren Erstling „Zu zweit“ den Zürcher Filmpreis gewonnen. Sie ist
schweizer-ungarische Doppelbürgerin und hat unter anderem an der HGKZ
(Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich) im Bereich Film/Video studiert.
„Nebelgrind“ kann für Fr. 22.90 beim Schweizer Fernsehen als DVD
bestellt werden.
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