Samstag, 3. Dezember 2011

Gianni e le donne (Gianni und die Frauen)

Italien/2011/90 Min./DVD

Männer sind Schweine, das muss jede Frau irgendwann lernen. Sie lügen, betrügen, vergewaltigen (und morden und führen Kriege, aber das ist eine andere Geschichte). „Gianni e le donne“ erinnert uns jedoch daran, dass es von dieser Regel auch Ausnahmen gibt.

Der 60-jährige, aber noch gut erhaltene, sanftmütige Gianni ist einer Menge Frauen auf die eine oder andere Art zu Diensten: seiner Mutter, einer verarmten Adligen, die meint, trotz ihrer Schulden den gewohnten Lebensstil weiterführen zu müssen; seiner Frau, die im Gegensatz zu ihm berufstätig ist und auf seine Hausmannqualitäten zählt; seiner hübschen Nachbarin, deren Hund er täglich Gassi führt und viele mehr – es scheint, die halbe Stadt profitiert von seiner Hilfsbereitschaft. Ein Freund macht ihn schliesslich darauf aufmerksam, dass heutzutage jeder Senior, der etwas auf sich hält, eine Geliebte hat. Gianni findet nach anfänglichen Zweifeln bald Gefallen an dem Gedanken und beschliesst, etwas in diese Richtung zu unternehmen – was sich jedoch viel komplizierter erweist als er sich vorgestellt hat.

„Gianni e le donne“ ist ein herzerwärmender Film mit einem – im doppelten Wortsinn – feinen Humor. Besonders gefallen dürfte er Frauen, die (gerade mal wieder) von Männern enttäuscht sind und sich missverstanden fühlen, was aber nicht heisst, dass er für andere, beiderlei Geschlechts, nicht ebenfalls lohnend wäre. Gianni di Gregorio führt nicht nur Regie, sondern spielt auch charmant die Hauptrolle. Sowohl ihn als auch Valeria de Franciscis, die seine Mutter spielt – und erst vor zwei Jahren, mit 93 Jahren, zum ersten Mal vor der Kamera stand, notabene – kennen wir bereits aus „Pranzo di Ferragosto“, seinem vielgepriesenen Erstlingswerk.

Wer denkt, bei „Gianni e le donne“ gehe es einfach um lüsterne alte Knacker und vife Weiber, hat nicht ganz unrecht. Zumindest kann man es so sehen. Doch da ist noch viel mehr. Der Film versteht es gekonnt, uns mit, nicht nur den italienischen, Machos zu versöhnen, denn Gianni geht trotz seines Vorhabens fremdzugehen so nett mit den Frauen um, dass man ihn einfach knuddeln möchte. Und genau da liegt für ihn das Problem: Während man noch in dem märchenhaften Kitsch schwelgt, drängt sich einem die Frage auf, ob es solche perfekten Männer im wahren Leben tatsächlich gibt. Die Antwort ist, ja, es gibt sie. Und in einem Punkt ist die Komödie schonungslos realistisch: Nette Männer werden vielleicht gemocht, als guter Freund oder Kumpel geschätzt, gerne auch ein bisschen ausgenutzt, aber als Mann wirklich ernst genommen werden sie nicht. Die Frauen wollen Männer, die Schweine sind – und somit verdienen sie wohl auch nichts Besseres.

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