Samstag, 3. Dezember 2011

Super Size Me

USA, 2004, 100 Min.

Was tut jemand, wenn er beweisen will, dass Fast Food fett und krank macht? – Genau. Er macht einen Selbstversuch.

Morgan Spurlock, ein New Yorker Dokumentarfilmer (hier Financier, Regisseur und Hauptdarsteller in einem), dessen Freundin vegane Bioköchin ist, hat es gewagt und sich einen Monat lang ausschliesslich bei McDonald’s verpflegt. Anlass dazu war eine Klage im Namen zweier halbwüchsiger Mädchen, die den Konzern für ihre Fettleibigkeit verantwortlich machten. Spurlocks Regeln waren, bei drei Mahlzeiten pro Tag nichts anderes zu sich zu nehmen, als was bei McDonald’s angeboten wird, im Laufe des Experiments jedes Gericht auf der Karte mindestens einmal zu probieren und – sofern er danach gefragt werden würde – jeweils die Super-Size-Version zu wählen, also eine extragrosse Portion, die als Beilage rund 175 Gramm Pommes Frites (das klingt nach wenig, entspricht aber 600 Kalorien!) sowie über einen Liter Cola enthält. Ausserdem würde er während dieser Zeit nicht mehr als 2000 Schritte täglich tun, was ungefähr dem entspricht, was ein durchschnittlicher amerikanischer Büroangestellter pro Tag zurücklegt. Seinen Gesundheitszustand liess er im Vorfeld und mehrmals während des Versuchs nicht nur von einem Allgemeinmediziner, sondern auch von einem Kardiologen und einer Gastroenterologin überprüfen.

Da dieses Material allein wohl nur für einen Kurzfilm gereicht hätte, liefert Spurlock an strategisch günstigen Stellen zusätzlich interessante Hintergrundinformationen, z.B. was McDonald’s unternimmt, um kleine Kinder zu zukünftigen Stammkunden zu machen oder wie das Verpflegungsangebot in Amerikas Schulkantinen, Gefängnissen und nicht zuletzt Spitälern aussieht. Ausserdem lernen wir einen Mann kennen, der in seinem Leben schon gegen 20'000 Bic Macs gegessen hat (und dabei schlank geblieben ist), und wir erfahren, warum Fast Food süchtig macht, dass für manche Amerikaner Pommes Frites unter Gemüse fallen, und viele erstaunliche Fakten mehr.

Falls Sie selbst ein Fast-Food-Junkie sind, wird Ihnen dieser Film erst mal das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Er könnte Ihnen aber auch die Augen öffnen und eine Ahnung darüber vermitteln, was zwischen Ernährung und Gesundheit für ein Zusammenhang besteht. Wenn Sie jedoch sowieso gerade vorhatten, eine Schüssel Salat zu essen, werden Sie die Bilder geniessen und sich freudig ekeln, während der Protagonist mit jeder Einstellung eine Spur kränker und aufgedunsener aussieht. Als er hingegen gar depressiv wird und seine Blut- und Leberwerte immer schlechter werden, er aber sein Ding trotzdem bis zu Ende durchziehen will, wünschte man ihm beinahe, dass es Februar wäre, damit er zwei Tage weniger leiden müsste. Eine Szene ist übrigens nur für Leute mit wirklich hoher Ekelschwelle geeignet, nämlich als wir in Nahaufnahme und in allen Einzelheiten zuschauen dürfen, wie an einem hochgradig fettleibigen Mann eine Magen-Bypass-Operation durchgeführt wird.

Also „ein echt fetter Film von Morgan Spurlock“ wie es im Trailer zur deutschsprachigen Version heisst. Erhältlich ist er als DVD mit deutschen und englischen Untertiteln oder anschaubar auf Youtube deutsch synchronisiert in sieben Teilen.

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