2002, Diogenes
Die 13-jährige Möchte-gern-zukünftige-Schriftstellerin Briony bekommt mit, wie sich zwischen ihrer älteren Schwester Cecilia, die soeben ihr Literaturstudium abgeschlossen hat, und Robbie, dem von der Familie sehr geschätzten Sohn der Zugehfrau, eine Liebesgeschichte anbahnt. In ihrer Unerfahrenheit deutet sie Robbies Werben als Bedrohung für Cecilia, was zur Folge hat, dass sie ihn als den Täter angibt, als sie in der Nacht Zeugin eines Vergehens an ihrer Cousine Lola wird. Robbie muss ins Gefängnis und wird von Brionys Familie fallengelassen. Nur Cecilia glaubt an ihn, bricht mit der Familie und wird Krankenschwester. Als der 2. Weltkrieg ausbricht, wird Robbie Soldat und später nach Frankreich geschickt. Cecilia trifft er zu einem Tête-à-Tête kurz vor seiner Abreise und bleibt mit ihr die ganze Zeit brieflich in Kontakt. Als Briony ihren Fehler einsieht, wird sie ebenfalls Krankenschwester, was sie als eine Art Sühne ansieht. Später muss sie jedoch erkennen, dass sie weder dadurch noch durch andere Wiedergutmachungs-versuche, die Robbies Ruf wiederherstellen sollen, seine und Cecilias Vergebung erlangen kann.
Nebst den offensichtlichen Themen von Schuld und Reue geht es in dem Roman auch um das Sichverlieren in einer virtuellen Welt – in diesem Fall der Literatur –, die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und nicht zuletzt das Universum von Liebe und Trennung.
Das Buch, übersetzt von Bernhard Robben, liest sich bis fast zuletzt wie ein konventioneller, allerdings packend geschriebener, Roman, der eine gängige Struktur und die üblichen Perspektivenwechsel aufweist. Doch dann, als man sich schon zurücklehnen und – bevor man das Buch weglegt und zur Tagesordnung übergeht – über das glückliche Ende der Liebesgeschichte freuen will, wird man auf eigentümliche und überraschende Weise daran erinnert, dass Briony ursprünglich Schriftstellerin werden wollte. Vielleicht ist es gerade wegen dieser Spielerei mit der Lesererwartung, dass einem der Roman trotz seiner Massentauglichkeit länger als sonst in Erinnerung bleibt.
Ian McEwan wurde 1948 als Sohn eines Berufssoldaten in England geboren. Aufgrund der Versetzungen seines Vaters wuchs er unter anderem in Singapur und in Libyen auf. Heute lebt er als freier Schriftsteller in London. Für seine Werke wurde er im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, für „Abbitte“ unter anderem mit dem Deutschen Bücherpreis (2003).
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